Endlich wohlfühlen – Wie du die perfekte Farbe für deine Räume findest

von | 1. Juni 2020 | Farben, Ferienwohnung, Home-Office, Raumerfüllung | 0 Kommentare

Letztens war ich im Baumarkt. Ich suchte die perfekte Farbe für einen Raum. Gezielt ging ich zu den Farbkarten und schaute nach welchen, die zu meinen Ideen passten. Im gleichen Gang war ein Pärchen, das sich über die neue Wandfarbe fürs Wohnzimmer unterhielt. Sie taten das sehr laut, so dass ich ungewollt zuhören musste. 

„Wollen wir dieses Gelb nehmen?“, fragte sie. „Oh, ich hatte an Blau gedacht“, war seine Antwort. Ganz offensichtlich hatten sie bislang noch kein einziges Wort über die Farbe gesprochen! 

Hm, hätte ich etwas sagen sollen? Fragen, welche Farben das Sofa hat oder von welcher Seite die Sonne reinscheint? Das wäre mir etwas übergriffig vorgekommen. Ob sie sich nun für das warme, belebende Maisgelb oder für das kühle, sanfte Kornblumenblau entschieden haben, habe ich leider verpasst. Eigentlich schade.

Du bist dran! Damit du nicht genauso ratlos vor dem Farbenregal stehst und nicht weißt, wo du anfangen sollst, habe ich ein paar simple Kniffe für dich:

1. Was hast du eigentlich vor?

Mach dir als erstes bewusst, wofür du den Raum nutzen möchtest. Verbringst du deine Zeit hier eher aktiv oder passiv? Ist es ein Arbeitszimmer, kochst du für die Familie, machst du hier Sport? Dann wären lebendigere Farben gut geeignet. Diese reichen von Gelb- über Orange- und Rottönen bis hin zu Violett. Was nicht heißt, dass es gleich ein knalliges Johannisbeerrot werden muss. Jeder Farbton kann heller, dunkler oder trüber angewendet werden, so dass sich unzählige Abstufungen ergeben. 

         
Warme Farbpalette

Wenn du in dem Raum lieber zur Ruhe kommen möchtest wie zum Beispiel nach Feierabend im Wohnzimmer oder nachts im Schlafzimmer, solltest du Farben verwenden, die Ruhe ausstrahlen. Dazu gehören die kühleren Farben aus der Blau- oder Grünpalette, aber auch neutrale Naturtöne wie Braun oder Grau. 

         
Kühle Farbpalette


         
Neutrale Farbpalette

Die richtige Farbe hat aber nicht nur etwas damit zu tun, wofür du den Raum nutzt, sondern auch, wie das Licht einfällt.

2. Woher kommt denn das Licht?

Wie ist das Zimmer zur Sonne ausgerichtet? Wenn die einzige Fensterseite deines Wohnzimmers nach Norden zeigt, solltest du kühlere Farben umgehen. Hier wären auf alle Fälle warme Farben angebracht, dann kannst du sogar die Heizungstemperatur um bis zu 3 °C senken. Hättest du das gewusst? Wie Farben auf Menschen wirken, wird in etlichen Studien und Büchern dargelegt.

Du solltest bei deiner Farbwahl also auf alle Fälle den Sonnenstand mit einbeziehen und dabei abchecken, wann du dich dort aufhältst. Sitzt du nur vormittags im Home-Office und dir scheint die Sonne direkt ins Zimmer? Dann darfst du auch kühlere Farben einsetzen, da der Raum nicht kühl wirken wird. Ist das Kinderzimmer nach Osten ausgerichtet, solltest du eher warme Farben einsetzen, da nachmittags, wenn das Kind aus der Schule zurück kommt, keine Sonne mehr ins Zimmer scheinen wird. Allzu leuchtende Farbtöne solltest du wiederum vermeiden, da es mit der Konzentration sonst nix mehr wird.

Wunderbar! Du bist nun startklar für deinen ersten Besuch im Baumarkt.

3. Jetzt endlich Farbe kaufen?

Du hast dich nun mit den Farben beschäftigt und eine Lieblingsfarbe gefunden. Sehr gut! Kannst du jetzt zum Fachhandel tigern und einen Eimer Farbe besorgen? Noch nicht. Denn Grün ist nicht gleich Grün und selbst Weiß ist nicht gleich Weiß. 

Im Baumarkt findest du Farbkarten in reichlicher Auswahl. Suche dir so viele wie nötig aus – aber auch nicht mehr. Wenn du etwa fünf Farbkarten deiner Wunschfarbe auf der Hand hast, bist du gut vorbereitet. Manche Hersteller bieten Farbmuster an, die man zu Hause direkt auf die Wand auftragen kann. Auch das kannst du ausprobieren, um noch besser zu beurteilen, wie die Farbe wirkt.

Zu Hause gehst du mit deinen Farben auf Entdeckungsreise und testest genau, welche Karte den richtigen Farbton enthält. So gehst du vor: 

  1. Raum-Check: 
    Halte die Farbmuster an die Wand. Noch besser: rolle ein Stück Klebefilm zusammen und befestige diesen auf der Rückseite der Farbkarten. Die Muster kannst du nun ganz leicht an der Wand befestigen, ohne dass die Wand Schaden nimmt. Erster Schritt geschafft!
  1. Licht-Check:
    Lasse die Karten ruhig ein paar Tage hängen und sieh sie dir immer wieder an. Auch mal morgens oder spät abends, mal bei Tageslicht, mal bei künstlicher Beleuchtung. Wie ändert sich die Farbwirkung? Wirkt die Farbe im künstlichen Licht anders? Gefällt dir der Effekt? 
  1. Dauer-Check:
    Und hänge die Karten auch mal an eine andere Wand, wo das Licht anders einfällt. Je mehr Wände du checkst, desto besser. Du bekommst nach und nach ein Gefühl dafür, wie sich die Farbe im Raum verhält. Vielleicht kannst du nun schon die eine oder andere Farbe aussortieren, weil sie nicht so „funktioniert“ wie du es dir vorgestellt hast. Lass dir ruhig ein paar Tage Zeit!
  1. Möbel-Check:
    Du solltest auch deine Möbel mit einbeziehen. Wenn du Holzmöbel hast, hältst du die Farbkarten, die in der engeren Wahl sind, direkt ans Holz. Wie wirken diese Farben zusammen? Lässt das Holz die Farbe fade erscheinen? Das passiert bei Beigetönen ganz schnell. Oder unterstreicht der Holzton die Wandfarbe?Gleiches gilt übrigens für die Holzdecke, falls du eine hast. Weiter zum letzten Check!
  1. Boden-Check:
    Sicher sind jetzt nur noch wenige Muster übrig geblieben. Spätestens jetzt wird der Bodenbelag mit einbezogen. Dein Fußboden nimmt farblich die größte Fläche im Raum ein. Oft wird er nur unbewusst wahrgenommen, aber dennoch steigt und fällt die komplette Farbwirkung im Raum mit dem Fußboden. Der Fußboden sollte also unbedingt mit berücksichtigt werden. Geschafft!

4. Und was ist mit der Lieblingsfarbe?

Last but not least: die Wandfarbe soll dir gefallen! Daher also nicht zu analytisch vorgehen, sondern auch ein bisschen Gefühl mit einfließen lassen. 

Oder umgekehrt: du hast eine Lieblingsfarbe, aber du bist dir unsicher, ob du einen ganzen Raum damit streichen möchtest? Macht gar nichts. Versuch es erstmal mit einer einzelnen Wand, die du gekonnt in Szene setzt. Oder bring deine Lieblingsfarbe bei Accessoires wie Kissen oder Vasen unter. Wenn du dich langsam an deine Wunschfarbe herantastest, machst du es genau richtig. 

Also alles kein Hexenwerk: wenn dir klar ist, weshalb und wann du dich in dem Raum aufhältst, testest du verschiedene Farben und beziehst auch deine persönlichen Wünsche mit ein. 

Immer noch unsicher? Mokkabeige oder Kaschmirbraun? Das kann ich glattweg verstehen. Die Auswahl an Farben ist schließlich fast unüberschaubar. Wir können uns gern gemeinsam auf den Weg zur perfekten Farbe für deinen Wohntraum machen.

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