Raumwirkung von Wandfarben: so verändern Farben die Raumproportionen

von | 1. März 2022 | Farben, Ferienwohnung, Räume gestalten | 0 Kommentare

Wie wirken Farben auf den Raum bzw. können Wandfarben die Raumproportionen überhaupt verändern?

Kurz gesagt: können sie.

Wie du in meinem Wohnblog vielleicht schon gelesen hast, beeinflussen Farben unsere Psyche und können verschiedene Emotionen triggern. Und in meinem Artikel über das perfekte Wandbild bin ich auch schon kurz darauf eingegangen, dass helle, kühle Farben den Raum weiten und dunklere, warme Töne den Raum eher enger erscheinen lassen.

Dieser Effekt lässt sich natürlich genauso auf ganze Wände übertragen, so dass du mit Wandfarben die Proportionen da, wo es nötig ist, ausgleichen kannst: weiter, tiefer, höher, niedriger usw.

Eine Farbe ist also nie isoliert zu betrachten, sondern immer im Kontext zum Raum.

Mit den nachfolgenden Grundregeln wird es dir gelingen, Unsicherheiten bei der Farbwahl zu überwinden und die echten Proportionen deines Raums auszutricksen.

Inhaltsverzeichnis:

So wirken kleine Räume größer

So wirken große Räume kleiner

Hiermit erscheinen Räume höher

Hiermit erscheinen Räume niedriger

Raumproportionen anpassen und Wände „verschieben“

Wie Räume breiter wirken

Wie Räume schmaler wirken

Räume tiefer wirken lassen

Räume kürzer wirken lassen

Können Muster die Wirkung von Farben unterstützen und Raumproportionen verändern?

Superkurze Zusammenfassung für gefällige Raumproportionen

Das Feintuning

So wirken kleine Räume größer

Mit hellen Farben wirkt jeder Raum großzügiger, denn: helle Farben erscheinen uns leichter und weniger schwer als dunkle Farben – insbesondere dann, wenn du auf kühlere Töne setzt. Blau ist zwar die Farbe, die am kältesten wahrgenommen wird, aber auch Grün- und Violetttöne (und alles, was dazwischen liegt) enthalten Blau, so dass helle Nuancen sich gut eignen, wenn Räume größer erscheinen sollen.

Möchtest du lieber warme Farben wie Gelb-, Orange- oder Rottöne, dann setze unbedingt auf pastellige Farben wie bspw. Apricot oder Rosé. Ein leichter Cremeton, ein sanftes Gelb oder ein helles Grau sind relativ neutrale Töne. Die hellen Flächen reflektieren das natürliche Licht besser als dunkle Flächen und das solltest du dir zu Nutze machen.

Raumproportionen verändern mit Farben: helle Wände lassen den Raum größer wirken
Helle Farben weiten einen Raum und verleihen mehr Großzügigkeit.

So wirken große Räume kleiner

Große Räume ausgewogen und gemütlich zu gestalten, ist manchmal gar nicht so einfach. Schnell wirken sie leer und unpersönlich. Ein Bett, einen Schrank, einen Tisch und ein Regal auf alle vier Wände zu verteilen, reicht für eine Wohlfühlatmosphäre nicht aus. Definitiv nicht.

Hier darf Farbe her. Mit intensiven, kräftigen Farben wirken große Räume gemütlicher. Die Wände treten nach vorne, „umarmen” den Bewohner und machen große Räume behaglicher. Woran das liegt? Dunkle Flächen absorbieren mehr Licht und dadurch wirken die Räume enger. Zum Vergleich also nun der gleiche Raum, diesmal dunkel angelegt. Welchen Raum findest du weiter, welchen enger?

Raumproportionen verändern mit Farben: dunkle Wände lassen den Raum enger wirken
Ein dunkler Raum wirkt enger – je nach Größe des Raums kann das ein gewünschter Effekt sein.

Hiermit erscheinen Räume höher

Niedrige Decken erdrücken schnell. Auf Dauer kann das ganz schön aufs Gemüt gehen. Um gegenzusteuern, ist es also wichtig, die Decke optisch anzuheben. Dies gelingt, indem du sie heller als die umliegenden Wände streichst.

Decke optisch anheben: Decke heller als Wände streichen
Eine hellere Decke hebt diese optisch an, der Raum wirkt luftiger.

Verstärken kannst du diesen Effekt übrigens, indem du an den Wänden einen umlaufenden Streifen in der Deckenfarbe streichst. Das liegt daran, dass die Grenzen zwischen Decke und Wand verschwinden, so dass die eigentliche Raumhöhe nicht mehr klar zu fassen ist. Ein Trick, der sich auch gut bei Räumen mit Dachschräge anbietet.

mit Farben Proportionen verändern: helle Decke und heller Streifen lassen Raum höher wirken
Ein heller Streifen in der Farbe der Decke lässt diese noch höher wirken.

Faszinierend, was der weiße Streifen schafft, oder? Tatsächlich hat jeder auf den Bildern dargestellte Raum die gleichen Proportionen!

Noch weiter kannst du diesen Effekt mit einem hellen Blau oder einem blaustichigen Weiß (du wirst staunen, wie viele Weiß-Nuancen du im Baumarkt findest) steigern. Die Idee dahinter ist gar nicht neu: vielleicht hast du sie ja jetzt vor Augen, die prächtigen Treppenhäuser alter Schlösser mit ihren alles überspannenden Deckengewölben, die aussehen, als würden sich die Gebäude geradewegs zum Himmel hin öffnen. Die Grenzen zwischen Wänden und Decke, zwischen Skulptur und Malerei, zwischen Architektur und Illusion verschwimmen förmlich und man kann als Mensch, der da so mittendrin steht, überhaupt nicht abschätzen, wie hoch die Decke wirklich sein mag. Also: schon im Barock (Ende 16. Jh. bis etwa 1760/70) wurden Decken gerne himmelblau gestaltet – wobei unsere Decken heute natürlich nicht mehr derart opulent sind. Schade eigentlich…

Hiermit erscheinen Räume niedriger

Manchmal ist die Situation genau umgekehrt. Gerade in Altbauten sind die Decken oft außerordentlich hoch und manch einer hat das Gefühl, sich im Raum zu verlieren, weil „oben etwas fehlt”. Ach ja, und noch einen weiteren Raum gibt es, der allein aufgrund seiner geringen Fläche höher wirkt, als er eigentlich ist: das Gäste-WC.

Wirkt die Decke zu hoch, dann ist es angebracht, sie dunkler zu streichen als die Wände. Damit senkst du die Decke optisch etwas ab. Nur Mut!

Kleiner Tipp: eine kugelige Hängeleuchte zieht den Blick auf sich, lenkt aber gleichzeitig von der Höhe ab. Wie wäre es mit einer hellen Leuchte unterhalb einer dunklen Decke?

Decke optisch absenken: Decke dunkler als Wände streichen
Die dunkle Decke senkt diese optisch ab – für sehr hohe Räume interessant.

Raumproportionen anpassen und Wände „verschieben”

Nicht jeder Raum ist perfekt geschnitten und immer wieder erscheinen uns Räume zu lang und schlauchartig oder zu kurz und man hat das Gefühl, dass der umherschweifende Blick an der gegenüberliegenden Wand direkt ausgebremst wird. Mit Wandfarben lassen sich die Raumproportionen aber optisch verändern.

Eine dunkle Fläche tritt in den Vordergrund, sie kommt geradewegs auf uns zu. Der Raum fühlt sich von dieser Seite her enger an. Das muss nichts Schlechtes sein, wenn man diesen Effekt gezielt einzusetzen weiß.

Und umgekehrt – wir hatten das schon bei der Decke – treten helle Flächen zurück und schaffen Platz. Helle Flächen wirken leichter und weiten damit den Raum. Spielt man mit hellen und dunklen Flächen und setzt sie richtig ein, ist es kein Problem, ungünstige Raumproportionen auszugleichen.

Und so geht´s:

Wie Räume breiter wirken

Legst du die Seitenwände heller an als die Stirnwand, also die Wand, auf die du direkt schaust, dann wirkt der Raum breiter. Die Seitenwände treten zurück und ziehen den Raum optisch in die Breite. Diesen Trick brauchst du immer dann, wenn der Raum schlauchartig wirkt. Dann sind es die langen Seitenwände, die du heller anlegen solltest.

Steigern kannst du dies, indem du die Decke ebenso dunkel anlegst wie die Stirnwand. Doch Vorsicht, das geht natürlich nur bei Räumen mit entsprechender Deckenhöhe.

mit Farben Raumwirkung beeinflussen: hellere Seitenwände lassen Raum breiter wirken
Die helleren Seitenwände treten optisch zurück und verbreitern den Raum.

Wie Räume schmaler wirken

Schmaler wirkt der Raum, wenn du stattdessen die Seitenwände etwas dunkler streichst. Siehst du, wie die Raumproportionen sich im Vergleich zum obigen Bild verändern? Die betonten Seitenwände drücken jetzt in den Raum. Die Stirnwand bleibt heller und tritt somit optisch zurück. Auf diese Weise erscheint der Raum schmaler.

mit Farben Raumwirkung beeinflussen: dunklere Seitenwände lassen Raum schmaler wirken
Die dunklen Seitenwände drücken in den Raum und lassen ihn schmaler wirken – dabei muss der Kontrast gar nicht so groß sein wie in der Abbildung.

Wenn du die nötige Raumhöhe hast, kannst du die Wirkung steigern, indem du auch die Decke mit einbeziehst und genauso anlegst wie die etwas dunkleren Seitenwände.

Räume tiefer wirken lassen

Ein weiterer interessanter Trick für mehr Tiefe ist es, den Übergang vom Boden zur Wand fließend zu gestalten, denn: gehen Flächen farblich ineinander über, dann werden Grenzen aufgehoben, dann verschwimmen Flächen, dann wirken eben diese größer.

Raumproportionen verändern mit Farben: Wand und Boden in gleicher Farbe lassen Grenzen verschwimmen
Boden und Rückwand verschmelzen, der Raum wirkt tiefer.

Räume kürzer wirken lassen

Eine dunkle Fläche tritt nach vorne, sie verkürzt den Raum. Das hatten wir ja schon. Wenn du also einen großen Raum optisch verkürzen willst, streichst du also die schmalen Wände dunkler, so dass sie ein Stück entgegenkommt.

Raumproportionen verändern: dunkle Rückwand lässt den Raum kürzer wirken
Die dunkle Rückwand tritt nach vorne.

Können Muster die Wirkung der Farben unterstützen und Raumproportionen verändern?

Klar, können sie. Besonders Linien strecken, dehnen oder stauchen einen Raum und zwar abhängig davon, wie du sie einsetzt. Das heißt nicht, dass Streifentapeten die einzige und ultimative Lösung für alle Probleme sein müssen, nein, Linien lassen sich nämlich viel raffinierter und geschickter unterbringen, nämlich:

  • Die Verlegerichtung von Parkett, Designboden, Fliesen & Co. zieht unwillkürlich ein linienartiges Muster mit sich.
  • Zimmertüren mit Querrillen oder horizontale Fensterbänder betonen die Waagerechte.
  • Bei der Einrichtung betonen Wanddekorationen wie große Bilder im Hochformat vertikale Linien. Auch schmale, hohe Schränke zählen zu senkrechten Linien, während niedrige, lange TV-Bänke eher querlaufend wirken.
  • Eine zweifarbig angelegte Wand korrigiert Proportionen und gleicht bei horizontaler Aufteilung die Raumhöhen aus. Bei niedrigen Räumen ist es wichtig, die hellere Farbe oben einzusetzen, um den Raum nach oben zu öffnen. Bei sehr hohen Räumen bietet es sich wiederum an, die dunklere Farben oben einzusetzen, damit der Bereich behaglicher wirkt.
  • Will man eine Ecke im Raum optisch abteilen und unterteilt die Wand durch senkrechte Teilung in zwei unterschiedliche Flächen, ist wieder eine nach oben streckende Linie vorhanden.
  • Diagonale Linien – wie beim Fischgrät-Parkett – strecken den Raum übrigens in alle Richtungen und wirken sehr bewegt und lebendig.

Generell gilt: egal, ob Streifen, Blumen oder sonstige Muster – großformatige Muster lassen einen Gegenstand voluminöser und deshalb auch näher wirken, während kleinere Muster leichter und graziler daherkommen. Wir kennen diesen Trick ja alle aus der Mode und können ihn genauso auf Tapeten anwenden.

mit Mustern Raumproportionen verändern: Querstreifen bringen Breite
Eine quergestreifte Wand wirkt breiter.
horizontale Wandunterteilung und dunklere Farbe im oberen Bereich bringen Behaglichkeit
Besonders hohe Räume profitieren von einer horizontalen Wandteilung, wenn die dunklere Farbe oben aufgebracht wird.
Raumproportionen durch Verlegerichtung des Fußbodens ändern
Wird der Fußboden in Längsrichtung verlegt, streckt er den Raum, lässt ihn aber auch schmaler wirken.
mit Mustern Raumproportionen verändern: Längsstreifen bringen Höhe
Längsstreifen strecken optisch und bringen Höhe.
mit Wandteilung Raumproportionen verändern: helle Farbe oben öffnet den Raum
Die hellere Farbe in den oberen zwei Dritteln öffnen den Raum nach oben hin und bringen Weite – für kleinere und niedrige Räume.
Raumproportionen durch gemusterte Wände verändern
Durch die großen Muster tritt die Wand geradezu nach vorne.

Superkurze Zusammenfassung für gefällige Raumproportionen

Dunkle Flächen treten nach vorne, hellere ziehen sich zurück (besonders die in kühleren Farbtönen) und Linien strecken.

Schräge Linien bringen besonders viel Dynamik, größere Muster lassen Flächen ebenfalls näher erscheinen, während kleinere Flächen sich dezent im Hintergrund halten.

Mit diesen Erkenntnissen kannst du nun experimentieren und die Raumproportionen verändern.

Das Feintuning

Manchmal bietet es sich auch an, mit mehreren Effekten gleichzeitig zu arbeiten. Wenn du bspw. eine dunkle Wand nach vorne holst und den Raum verkürzt, könntest du die Wandfläche wiederum mit eher senkrecht verlaufenden Elementen etwas strecken. Auf diese Weise kannst du ein bisschen „nachjustieren”.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Ausprobieren! Schreib mir doch mal, welche Erfahrungen du gemacht hast – entweder hier unten in den Kommentaren oder per E-Mail.

Alle Abbildungen findest du übrigens auch auf Pinterest.

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